Werner Otto Preis 2021 zur Förderung medizinischer Forschung geht an Hamburger Wissenschaftlerinnen

14.12.2021 | Hamburg

Der Werner Otto Preis 2021 geht in diesem Jahr an zwei Forscherinnen, die Immunologin Dr. Julie Sellau vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin für die Entdeckung des Einflusses von Sexualhormonen auf bestimmte entzündliche Erkrankungen sowie an die Urologin Dr. Anne-Sophie Knipper von der Martini-Klinik am UKE für verbesserte Auswahlmöglichkeiten der operativen Methode bei Prostatakrebs. Die Wissenschaftlerinnen erhalten die Ehrung für ihre herausragenden medizinischen Leistungen im Bereich der Grundlagenforschung und der Klinischen Forschung. Ihre Forschungsergebnisse werden in Zukunft unter anderem zur Entwicklung neuer, personalisierter Behandlungsformen bei infektiösen Lebererkrankungen sowie zu einer verbesserten Versorgung von Patient*innen mit Prostatakrebs beitragen können.

Im kleinen Kreis wurden die beiden Forscherinnen heute von Prof. Dr. Michael Otto, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Otto Group und Vorsitzenden des Kuratoriums der Werner Otto Stiftung, im Rahmen einer Feierstunde und unter Einhaltung aller Corona-Maßnahmen ausgezeichnet.

„Die Pandemie, die uns seit fast zwei Jahren in Atem hält, führt uns die immense Bedeutung vor Augen, die medizinische Höchstleistungen haben. Auch die private Förderung umfassender Forschung kann, wie man an den vorliegenden Ergebnissen sieht, einen bedeutenden Einfluss für unser Leben haben“, erklärte Prof. Dr. Michael Otto. „Ich halte sie gerade in dieser Zeit, in der sich unser Gesundheitssystem einer hohen Belastung durch die Pandemie ausgesetzt sieht und der Staat seine Kräfte hier bündeln muss, für unverzichtbar.“

Mit dem Preis soll der Einsatz für neue, lebenswichtige Behandlungsmöglichkeiten und -methoden gewürdigt werden. Die beiden Preisträgerinnen erhalten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 8.000 Euro.

Die Laudatio auf die Preisträgerin im Bereich der Grundlagenforschung, Dr. Julie Sellau, hielt Prof. Dr. Samuel Huber, Direktor der Klinik für Innere Medizin und Leiter des Bereichs Gastroenterologie und Immunologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Laudatio auf die Preisträgerin im Bereich der Klinischen Forschung, Dr. med. Anne-Sophie Knipper, hielt Prof. Dr. Guido Sauter, Direktor am Institut für Pathologie mit den Sektoren Molekularpathologie und Zytopathologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Der Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung wird alle zwei Jahre für  hervorragende wissenschaftliche Leistungen in der Grundlagenforschung und in der Klinischen Forschung an in Hamburg tätige Forscher*innen und Ärzt*innen verliehen. Zum Kuratorium, das die Preisträger auswählt, gehört  neben renommierten Wissenschaftler*innen in diesem Jahr erstmals auch Janina Lin Otto. Die Preisverleihung findet 2021 – im Jahr des 52-jährigen Bestehens der Werner Otto Stiftung – zum 23sten Mal statt.


Kurze Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeiten beider Preisträgerinnen:

1. Grundlagenforschung zum Einfluss von Sexualhormonen auf überschießende Immunreaktionen:
Frau Dr. rer. nat. Julie Sellau

Am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Deutschlands größter Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten, finden Forschungen etwa zu Immunologie, Epidemiologie und Klinik von Infektionen statt.

Ausgangspunkt für die Untersuchung des Teams um Frau Dr. Julie Sellau war die Beobachtung, dass Männer anfälliger für Infektionskrankheiten sind als Frauen, Frauen hingegen stärker zu chronischen Entzündungen und Autoimmunerkrankungen neigen. Insbesondere Infektionen mit dem einzelligen Parasiten Entamoeba (E.) histolytica führen bei Männern häufiger zu gefährlichen Krankheitsverläufen wie den Amöbenleberabszessen. Geschlechtsspezifische Einflüsse wie genetische Faktoren oder Geschlechtshormone haben dabei offenbar Auswirkungen auf das Immunsystem.

Bei ihrer Grundlagenforschung konnte Frau Dr. Sellau mit ihrem Team zeigen, dass das männliche Sexualhormon Testosteron die treibende Kraft für eine Überreaktion des Immunsystems ist: Es bewirkt, dass im Blut zirkulierende Zellen, sogenannte Monozyten, die eigentlich gegen eindringende Krankheitserreger schützen sollen, bestimmte Entzündungsreaktionen in der Leber verstärken und damit maßgeblich zu Leberschäden beitragen.

Die Forschungsgruppe konnte im Laborversuch zeigen, dass Monozyten unter dem Einfluss von Testosteron verstärkt bestimmte Botenstoffe produzieren und aussenden. Diese Botenstoffe führen zur Zerstörung des Lebergewebes und locken weitere Immunzellen an den Ort der Infektion. Dadurch wird die schädigende Wirkung weiter forciert. Einen solchen Effekt fanden die Forschenden auch bei Frauen, die sich im Zuge einer Geschlechtsumwandlung einer Testosterontherapie unterzogen.

In Zukunft eröffnen die Ergebnisse dieser Untersuchung neue Möglichkeiten für zielgerichtete, personalisierte Behandlungsansätze etwa von infektiösen Lebererkrankungen.


2. Klinische Forschung im Bereich der operativen Versorgung von Patienten mit Prostatakarzinom:
Frau Priv.-Doz. Dr. med. Anne-Sophie Knipper

Die Martiniklinik am UKE ist auf die Behandlung des Prostatakarzinoms spezialisiert. Hier werden weltweit die meisten Operationen zur vollständigen (radikalen) Entfernung der Prostata durchgeführt.

Die Urologin Frau Priv.-Doz. Dr. med. Anne-Sophie Knipper hat in ihrer Forschungsarbeit den Einfluss des operativen Zugangswegs bei der radikalen Prostatektomie (RP) auf Operationsergebnisse sowie Krankenhauskosten untersucht. Dabei analysierte sie Operationsmethoden und -ergebnisse aus der umfangreichen, prospektiv angelegten institutionelle Datenbank der Martini-Klinik. Verglichen hat sie die beiden am häufigsten verwendeten Operationsverfahren: die offene retropubische radikale Prostatektomie (ORP) sowie die robotisch-assistierte radikale Prostatektomie (RARP).

Im Ergebnis konnte sie zeigen, dass von keinem klinisch relevanten Unterschied zwischen den beiden Operationsverfahren bezüglich onkologischem und funktionellem Ergebnis auszugehen ist. Des Weiteren beobachtete sie, dass nach RARP im Vergleich zur ORP ein leicht erhöhter Schmerzmittelbedarf bestand. Beim Schmerzempfinden zeigte sich ein insgesamt niedriges Schmerzlevel sowie kein signifikanter Unterschied zwischen den nach den beiden Methoden operierten Gruppen. Schließlich konnte sie zeigen, dass durch Übergewicht (Body Mass Index von ≥ 30) ungünstigere perioperative Ergebnisse bei beiden operativen Zugangswegen zu erwarten sind, dies allerdings weniger ausgeprägt nach RARP – bei jedoch größerem Kostenanstieg durch Übergewicht im Vergleich zur ORP.

Damit lieferte die Arbeit von Frau Dr. Anne-Sophie Knipper wichtige Hinweise darauf, dass die anhaltend höheren Kosten des robotischen Verfahrens sich insbesondere in der Gruppe der übergewichtigen Patienten mit reduzierten Komplikationsraten rechtfertigen lassen. Diese Aspekte sind für eine umfassende Beratung von Patienten vor einer radikalen Prostatektomie sowie für die Wahl der für den einzelnen Patienten idealen Operationsmethode essenziell.

Nähere Informationen zur Werner Otto Stiftung finden Sie im Internet unter: www.werner-otto-stiftung.de

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Medienkontakt

Otto Group

Isabella Grindel
+49 40 6461 5283
isabella.grindel@ottogroup.com

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