
Der Handel verändert sich – wieder einmal. Die nächste Ausbaustufe heißt AI-Commerce: Um zukunftsfähig und weiterhin erfolgreich zu sein, reicht es nicht, KI einfach in bestehende Prozesse einzubauen – vielmehr ist ein echter „AI-first Ansatz“ erforderlich. In dieser neuen Ära verankern die Otto Group und ihre Konzernunternehmen ein ganzheitliches „AI-first Mindset“ und implementieren bereits Use Cases, die die Wertschöpfungskette im E-Commerce verändern.
„Das Gefühl eines Neuanfangs ist ähnlich, nur intensiver“, sagte Petra Scharner-Wolff, CEO der Otto Group, kürzlich zu einem Journalisten auf dessen Frage, ob der Beginn des KI-Zeitalters sie an den Aufstieg des E-Commerce in den 1990er Jahren erinnere. Tatsächlich hatten neue Technologien schon immer einen starken Einfluss auf den Handel – und diese neue Ära bringt die nächste große Transformation mit sich.
KI ist bereits fester Bestandteil unseres Alltags – der Online-Handel ist da keine Ausnahme. Salesforce-Daten der Cyber Week 2025 zeigen, dass KI und KI-Agenten 20 Prozent aller weltweiten Online-Bestellungen beeinflussten – 67 Milliarden US-Dollar Umsatz in einer einzigen Woche.
Diese Zahlen zeigen: Wenn Händler das volle Potenzial der Technologie ausschöpfen, bietet AI-Commerce ungeahnte neue Möglichkeiten, Kund*innen zu begeistern.

Die Otto Group hat in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Transformationen erfolgreich gemeistert – vom Printkatalog bis zur Digitalisierung, vom stationären Handel zur Plattformökonomie. Heute ist sie der größte Online-Händler europäischen Ursprungs und bedient weltweit etwa 42 Millionen Kund*innen.
Petra Scharner-Wolff weiß, dass die KI-Transformation nicht nur eine technologische ist: „AI-Commerce ist die größte Disruption im Handel seit dem Aufkommen des E-Commerce. Aber Technologie ist niemals die eigentliche Herausforderung. Die Denkweise ist es. Die Unternehmen, die diese Disruption anführen werden, sind nicht diejenigen mit den größten KI-Budgets – sondern diejenigen, die eine echte ‚AI-first-Kultur‘ aufbauen.“
Um auch diese neue Transformation erfolgreich zu gestalten und die Zukunft des Einzelhandels weiterhin zu prägen, verfolgt die Otto Group ein „AI-first Mindset“. Dieses geht über einzelne KI-Anwendungen hinaus und denkt Prozesse, Arbeitsweisen und Betriebsmodelle neu.
Der Ansatz basiert auf drei strategischen Säulen:
Dabei ist es nicht das Ziel, KI einfach als Technologie einzusetzen und sie innerhalb von Workflows zur Optimierung einzelner Aufgaben und Geschäftsprozesse zu nutzen. Der „Reshape-Ansatz“ geht weiter: Das Geschäft und Workflows werden transformiert und neugestaltet, um End-to-End-Prozesse zu schaffen, die von Technologie und KI angetrieben werden. Nur so wird das volle Potenzial von KI ausgeschöpft.
So entwickelt sich auch die Entscheidungsfindung durch die Interaktion von Mensch und KI weiter, wobei Rollen und Organisationsstrukturen neugestaltet werden. Das fördert eine effektive Mensch-KI-Zusammenarbeit und stellt sicher, dass Führungskräfte diese KI-First-Arbeitsweisen engagiert vorleben und vertreten.
'AI-first' ist keine Technologiestrategie. Es ist eine kulturelle Verpflichtung – eine, die jede Rolle, jeden Prozess, jede Entscheidung betrifft.
Diese ambitionierte Vision wird durch strategische Partnerschaften, wie die langjährige Zusammenarbeit mit Google, unterstützt. Auf einer Pressekonferenz in Googles Zentrale in Mountain View, Kalifornien, bei der Petra Scharner-Wolff das „AI-first Mindset“ der Otto Group vorstellte, betonte auch Carrie Tharp, GTM COO & VP Customer Experience, Google Cloud, diese KI-Vision: „Wir lassen die Zeit hinter uns, in der KI lediglich als passives Suchwerkzeug funktionierte und bewegen uns hin zu Systemen, die unabhängig komplexe Probleme lösen können. Der wahre Mehrwert entsteht, wenn ein Händler intelligente Agenten über das gesamte Geschäft hinweg verbindet.“
Diese Zusammenarbeit führt bereits zu echten Ergebnissen für KI im E-Commerce: Mehrere Anwendungsfälle, wie der neue KI-Assistent von OTTO, der ein wirklich dialogorientiertes Online-Einkaufserlebnis schafft, werden von Google-Technologien angetrieben. Die Partnerschaft ermöglicht der Otto Group Zugang zu neuesten Technologien, bevor diese auf den Markt kommen, und fördert die gemeinsame Entwicklung neuer Lösungen. Dies sichert einen signifikanten strategischen Vorteil in der sich entwickelnden Handelslandschaft.
Der „Reshape“-Ansatz ist nicht nur eine Zukunftsvision, sondern wird in der Otto Group bereits Realität, wie ein innovativer Anwendungsfall von Bonprix zeigt: Mit VestiFlow etabliert die europäische Modemarke eine AI-first, End-to-End-Lösung, die den gesamten Lebenszyklus der Entwicklung von Modeprodukten neugestaltet – von der Trend- und Marktanalyse bis zur Content-Produktion. Carolin Klar, Managing Director Product, Sourcing & CR bei Bonprix, ist von dessen Potenzial überzeugt: „Mit VestiFlow gestaltet Bonprix einen Kernprozess seines Geschäftsmodells im Modebereich – von der Kreativität bis zur Produktion – durch eine AI-First-Perspektive grundlegend neu. Die Initiative zeigt, wie wir Innovationen fördern und die Kundenrelevanz durch die Neugestaltung traditioneller Methoden verbessern.“
VestiFlow ist entscheidend, um Bonprix an der Spitze der AI-Commerce-Ära zu positionieren.
VestiFlow schafft Mehrwert in allen Schritten der Produktentwicklung. Derzeit läuft ein Pilotprojekt bei Bonprix: Beginnend mit „Discovery & Insights“ wird KI für eine automatisierte Analyse von Markt-, Trend- und Leistungsdaten eingesetzt, um neue Modeproduktideen zu identifizieren. Im „Assortment Fit“ generiert KI einen Vorschlag für die Zuteilung und Priorisierung von Produkten und Modetrends, einschließlich eines Brand- und Sortimentanpassungchecks. Das „Product Design“ wird anschließend von KI durch diese Marktsignale sowie die historische Leistung vergleichbarer Produkte unterstützt. In weiteren Iterationen wird VestiFlow auch die KI-gestützte Erstellung detaillierter technischer Spezifikationen, Ausschreibungen und Lieferantenauswahl sowie Produktbeschreibung und Bild- und Videoproduktion umfassen.

Der End-to-End-KI-Anwendungsfall wurde in enger Zusammenarbeit mit Otto Group One.O, dem Konzernunternehmen der Otto Group für Strategieberatung und Technologie, und in der Google Cloud entwickelt. Katrin Behrens, CEO von Otto Group One.O, sagt: „Ein KI-Tool zusätzlich zu bestehenden Schritten ändert wenig. Bei Bonprix und One.O vereinen wir drei kritische Elemente in einem funktionsübergreifenden Team: Prozessneugestaltung, KI-Engineering und agile Integration. Mit Bonprix bauen wir die Produktentwicklung end-to-end neu auf und stellen sicher, dass ein einzelnes Trendsignal nahtlos und ohne Unterbrechung in Sortiment, Design und Inhalte einfließt.“
Dieser ganzheitliche Ansatz und die vielfältigen bereits implementierten KI-Anwendungen demonstrieren den strategischen Einsatz von KI durch die Otto Group, um sowohl Kund*innen zu inspirieren als auch die betriebliche Effizienz über ihr Portfolio hinweg zu steigern. Und das „AI-first Mindset“ ist Teil eines größeren Ganzen: Mit einer strategischen mittelfristigen Investition von 350 Millionen Euro in Tech und KI legt die Otto Group das Fundament für die Ära des AI-Commerce – und sichert so die langfristige Zukunftsfähigkeit durch verantwortungsvolle, menschenzentrierte KI im Einzelhandel.
© Fotocredit: Otto Group