Förderung von Frauen
in MINT-Berufen

Petra Scharner-Wolff, Vorständin Finanzen, Controlling, Personal zu den Chancen von Frauen in der Digitalbranche.

 
 

Petra Scharner-Wolff, Vorständin Finanzen, Controlling, PersonalDie Digitalisierung der Arbeitswelt verändert die Märkte tiefgreifend. In allen Wirtschaftszweigen und so auch im weltweiten Onlinehandel werden Fach- und Führungskräfte benötigt, die eine hohe Digitalkompetenz besitzen. Alte Berufsbilder werden radikal durch neue ersetzt. 

Schon heute suchen wir händeringend nach Fach- und Führungskräften, die auf der Basis einer universitären Ausbildung in Fächern wie Mathematik, Informatik Naturwissenschaften und Technik (den so genannten MINT-Fächern) Aufgaben in einer digitalisierten Berufswelt übernehmen können. Darüber hinaus suchen wir Fachkräfte, für die es noch gar keine adäquate Ausbildung gibt. Der Fachkräftemangel ist riesig: So sucht die Otto Group alleine am Campus in Hamburg rund 400 neue Kolleginnen und Kollegen im Bereich der MINT-Berufe. Dazu gehören BI-Spezialisten, E-Commerce-Experten, Online-Marketing-Manager und IT-Manager.

Arbeitskräftelücke im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT)


Zu den Ausbildungsberufen, die wir gerne mit mehr jungen Frauen besetzen möchten, gehören Fachinformatiker, Informatik-Kaufleute sowie Kandidaten für duale Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik und E-Commerce. 

Die Digitalbranche ist bislang eine Domäne der Männer, denn sie wird vornehmlich aus den MINT-Fächern heraus besetzt, die meist von männlichen Kandidaten studiert werden. Wollen wir mit Blick auf die junge Generation der Millennials und jüngerer Jahrgänge unseren Fachkräftebedarf stillen, müssen wir stärker als bisher die jungen Frauen in den Blick nehmen. 

Die digitale Transformation ist eine kulturelle Revolution. Sie bietet beste Chancen für Frauen in der Digitalbranche. Besonders Qualitäten wie Teamfähigkeit, Kommunikation, Spontanität, Empathie und weniger hierarchisches Gehabe sind gefragt. Führungsstile werden neu definiert. Frauen, die auch noch technisches Wissen mitbringen, haben beste Chancen, Karriere zu machen.

Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung bieten sich für Frauen, die mit den digitalen Medien gut umgehen können, auch beste Möglichkeiten, später Familie und Beruf zu vereinbaren – das gilt auch für Männer. Denn Digitalberufe erfordern in Zukunft immer weniger Präsenz in den Unternehmen.

Elternhaus und Schule sind gefordert

Auch als Mutter einer Tochter behaupte ich: Wir müssen bereits als Eltern Denkblockaden abbauen. Frauen sind natürlich nicht von Natur aus weniger talentiert für Digitalthemen. Das gilt schon gar nicht für Generationen, die mit Instagram, Snapchat & Co. aufwachsen. Eltern, Verwandte und Bekannte müssen die Mädchen und jungen Frauen stärker dafür sensibilisieren, dass Digitalberufe eine dauerhafte Perspektive und ein Karrierehebel sind.

Häufig fehlt es Mädchen und jungen Frauen an Selbstbewusstsein in den MINT-Fächern. In der Mathematik wird beispielsweise Jungen von Vornherein eine höhere Begabung zugesprochen als Mädchen. Das ist eine gedankliche Falle. Lehrer sollten gemeinsam mit den Eltern dieses Stereotyp durchbrechen und gerade junge Mädchen motivieren, ihre Fähigkeiten und Talente im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich einzusetzen. Schulen müssen zudem insgesamt einen stärkeren Fokus auf MINT-Fächer legen. 

Die Universitäten und Fachhochschulen haben sich aufgemacht, die MINT-Studiengänge für Frauen attraktiver zu machen. Immerhin ist der Anteil weiblicher Studierender in diesen Fächern auf rund ein Drittel gestiegen. Aber es gibt aus meiner Sicht noch viel zu tun, veraltete Strukturen und Curricula weiter aufzubrechen und die frauenbezogene Ansprache und Vernetzung voranzutreiben. Hier beginnt auch die Verantwortung der Unternehmen, sich in Kooperationen mit den Hochschulen stärker auch für Frauen mit Digitalkompetenz einzusetzen. 

Die Unternehmen müssen früh Vernetzungs- und Förderplattformen aufbauen. So haben wir bei der Otto Group mit unserem Entwicklungsprogramm für den weiblichen Führungskräftenachwuchs „Boost your career“ gute Erfahrungen machen können. Wir brauchen in der Wirtschaft deutlich mehr Mut bei der Besetzung von Fach- und Führungspositionen im Digitalen durch Frauen. 

Aber auch die Frauen selbst müssen sich deutlich stärker selbst durchsetzen wollen. Ich finde es schade, dass das Wort „Macht“ gerade bei Frauen so negativ besetzt ist. Mir hat es geholfen, Herausforderungen mit etwas sportlichem Ehrgeiz zu betrachten, um mich auch in schwierigen Situationen zu behaupten. Hier können Unternehmen Frauen in MINT-Berufen durch stärkeres Mentoring unterstützen, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Auch die Arbeit am Image einzelner Abteilungen kann durch die Unternehmen beeinflusst werden. Gerade die Bereiche IT und BI müssen bewusst „sozialisiert“ werden. Damit meine ich mehr Öffnung hin zu anderen Fachbereichen und eine stärkere Durchmischung mit Mitarbeitern anderer Professionen. Eine höhere Kommunikationsbereitschaft könnte hier helfen, auch Frauen als Quereinsteiger für diese Bereiche zu gewinnen.


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„Boost your Career“

Das Management-Programm für Frauen

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