Fünfte Trendstudie zum ethischen Konsum

Ist die Covid-19-Pandemie ein Wellenbrecher für den Trend des ethischen Konsums oder hat die Unsicherheit durch Corona dem Verbraucher die Relevanz bewussteren Konsums noch einmal verdeutlicht? Hinweise gibt die fünfte Otto Group Trendstudie zum ethischen Konsum

 
 

Die fünfte Otto Group Trendstudie zeigt: Ethischer Konsum ist im Mainstream der Konsument*innen angekommen. Er verliert in Corona-Zeiten auch nicht an Bedeutung. Im Gegenteil, die Versprechen ethischen Konsums werden vor dem Hintergrund steigender Unsicherheit sowie zunehmender sozialer und ökologischer Herausforderungen noch relevanter. Menschen wollen nicht mehr nur sich selbst Gutes tun, sie wollen mit ihrem Konsum auch etwas für andere bewegen. 

 

"Ethischer Konsum" - was ist das?

Der ethische Konsum ist erwachsen geworden: Vor 40 Jahren als schrullige Einkaufspräferenz von ein paar Ökospinner*innen beschworen, über die Verheißung eines nachhaltigen und gesunden individuellen Lifestyles 20 Jahre später, bis hin zum heutigen Versprechen einer besseren Welt. Das Verständnis von ethischem Konsum hat sich entwickelt und verändert.

Ethischer KonsumAnfänglich vor allem im Bereich der biologischen Landwirtschaft angesiedelt, zog der ethische Konsum seine Kreise immer weiter: von fairen Marktbedingungen für Produzent*innen über faire Arbeitsverhältnisse bis zur regionalen Produktion und Sharing-Economy, in der nicht mehr gekauft, sondern getauscht und geliehen wird. Die Daten aus der aktuell vorliegenden Befragung zeigen: 2020 sind die gängigsten Bedeutungen von ethischem Konsum unverändert zur letzten Untersuchung 2013 geblieben. Für die Deutschen geht es dabei vor allem darum, auf umweltfreundliche Herstellung (82 Prozent), menschenwürdige Arbeitsbedingungen (82 Prozent), Produkte aus fairem Handel (81 Prozent) und auf die Recycelbarkeit (81 Prozent) zu achten. Produkte im Kleinen vor Ort, also möglichst lokal, zu kaufen, um damit die Welt zu verbessern, zählt für 76 Prozent der Deutschen dazu. Genauso wie insgesamt weniger zu kaufen (74 Prozent) oder stattdessen zu tauschen oder zu leihen (64 Prozent).

 
Die Forderungen nach nachhaltigen Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem an Politik und Unternehmen und die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen, haben die Mitte der Gesellschaft erreicht. Nachhaltigkeit wird zum Leuchtturm in einer unübersichtlichen Welt.
– Prof. Peter Wippermann, Trendbüro und Leiter der Studie
 

Die wichtigsten Thesen und Erkenntnisse der Trendstudie 2020

Ethischer Konsum hat sich im Mainstream der Konsument*innen etabliert
70 Prozent der Befragten der aktuellen Trendstudie geben an, dass ethische Kriterien zum festen Bestandteil ihrer Kaufentscheidung geworden sind. Menschen wollen nicht mehr nur sich selbst Gutes tun, sie wollen mit ihrem Konsum auch etwas für andere bewegen.

Weg mit der Wegwerfgesellschaft
82 Prozent der Befragten sind inzwischen bereit, den Weg von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft mitzugehen und sprechen sich für eine längere Produktnutzungsdauer und höhere Materialeffizienz aus.

Faires Verhalten wird für die Unternehmen zur „Licence to operate“
Die Zeit des Greenwashing ist vorbei. 68 Prozent würden einen Anbieter boykottieren, der seinen Mitarbeiter*innen schlechte Arbeitsbedingungen bietet. Kund*innen erwarten, dass Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen, und dass Wertschöpfung auch Werteorientierung impliziert. Sie sind zunehmend bereit, dafür auch zu zahlen. Zudem wird die Haltung der Unternehmen gegenüber Mensch und Natur ebenso wie gegenüber gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen Teil der Kaufentscheidung.

Sharing und Second Hand liegen bei den Konsument*innen im Trend
73 Prozent finden es gut, gebrauchte Dinge wie getragene Mode oder alte Möbel zu kaufen bzw. zu verkaufen. 54 Prozent der Befragten planen, in Zukunft mehr zu leihen. Waren 2013 noch 52 Prozent der Befragten bereit, öfter Sachen zu teilen, zu tauschen, zu leihen oder gebraucht zu kaufen, so sind es 2020 bereits 64 Prozent.

Die Konsument*innen erkennen die Grenzen ungezügelten Wachstums
70 Prozent der Befragten sehen ernsthafte Schwierigkeiten auf Mensch und Umwelt zukommen, wenn wir weiter ungezügelt konsumieren

Die Politik soll den Rahmen für einen ethischeren Konsum setzen
41 Prozent der Deutschen erachten die Politik als Impulsgeber in puncto Ethischer Konsum, 23 Prozent die Wirtschaft und 22 Prozent jeden Einzelnen. Dieser Wert hat sich in den vergangenen 7 Jahren seit der letzten Trendstudie deutlich erhöht. In den Jahren 2011 und 2013 waren es 27 Prozent der Befragten, die die Politik in der Pflicht sahen.

 
Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group
Wir in der Otto Group wollen etwas bewegen, denn es ist unsere Überzeugung seit Generationen, dass am Ende die Wirtschaft dem Menschen dienen muss, nicht umgekehrt. Dazu müssen wir alle uns aber auch verändern. Weg von der Wegwerfgesellschaft. Hin zu nachhaltigen und recyclingfähigen Produkten und einer ressourcenschonenden Produktionsweise, in der Menschenrechte stärker geachtet und in der Respekt und Achtsamkeit gegenüber der Natur einen neuen Stellenwert erlangen.
– Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group
 

Leihen, teilen, wiederverkaufen - Die Welt des Re-Commerce

Leihen, teilen, wiederverkaufen - Die Welt des Re-CommerceAnbieter wie AirBnb, Autovermietungen sowie Uber und Lyft haben stark unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten. Das Prinzip des gemeinsamen Nutzens, widerspricht einfach der Praxis des Abstandhaltens und Händewaschens. Jedoch bleibt der Konsumtrend Leihen, Teilen und Wiederverkaufen bestehen. 73 Prozent der Befragten Teilnehmer unserer Studie finden es gut, gebrauchte Dinge wie getragene Mode oder alte Möbel verkaufen oder kaufen zu können.
Auf öffentliche Verkehrsmittel wird aktuell eher verzichtet. Davon profitieren Rad- und Scooter-Verleiher wie Lime. Sie ermöglichen es Nutzer*innen ihre Fortbewegung umweltfreundlicher und flexibler zu gestalten, als das zum Beispiel mit dem eigenen Auto der Fall wäre. 

Der Wiederverkauf von Ware als Teil größerer Geschäftsmodelle steckt allerdings noch in der Entwicklung. Denn obwohl er den Verkauf von Vintage Kleidung beinhaltet, erfindet sich auch der Secondhand-Verkauf immer wieder neu. Tarek Müller, Handelsexperte und Mitgründer von About You, sieht mittelfristig, dass Kunden im Zuge einer Retoure in einer eigenen Tüte Kleidungsstücke, die sie verkaufen wollen, gleich mitschicken. Secondhand wird also in bestehende Verkaufsprozesse des E-Commerce integriert.

Im OMR-Podcast spricht Tarek Müller unter anderem über die Secondhand-Plände von About You >>

 

E-Commerce und die neue Konsumethik: Klimasünde Onlinehandel?

Covid-19 hat das alltägliche Leben zunehmend in die virtuelle Welt verlagert. Eine Welt, in der E-Commerce Unternehmen beheimatet sind. Viele Konsument*innen sind durch den Lockdown des Einzelhandels dazu verleitet worden, erstmals online zu kaufen. Einmal in der Welt des E-Commerce angekommen, merken Nutzer*innen schnell, wie bequem das Kaufen in einer digitalen Welt sein kann. Zeitersparnis, maximale Auswahl und in der Pandemie: Sicherheit. Das alles sind Vorzüge, die neue Kund*innen schnell zu schätzen lernen. 

Konsumethik

Doch der Onlinehandel steht auch oft in der Kritik. Verpackungsmüll, Transportemissionen, der zweifelhafte Ruf globaler Anbieter als Steuerzahler und Arbeitgeber – mit diesen Themen wird der E-Commerce eher assoziiert als der stationäre Handel. Genau an diesen Punkten üben die Konsument*innen Druck aus, durch eine Transformation in ihrem Kaufverhalten. So würden laut unserer Studie 68 Prozent der Konsument*innen einen Anbieter boykottieren, wenn dieser seinen Angestellten schlechte Arbeitsbedingungen bietet.

Was sagt die Otto Group zur Ökobilanz beim Shoppen? 

In einem kürzlich veröffentlichten Dossier haben wir uns der Thematik angenommen und verschiedene Aspekte der Klimabilanz beim Einkauf beleuchtet.

Ökobilanz beim Shoppen - Onlinehandel vs. stationärer Einzelhandel >>

 

Von Unternehmen erwartet man mehr als nur ein "Purpose Statement", nämlich, das sie aktiv sind.

Unsere fünfte Studie zum ethischen Konsum zeigt, dass das Thema für Verbraucher*innen und Anbieter gleichermaßen zukunftsrelevant ist und bleibt. Für drei Viertel der Deutschen trägt ein Unternehmen zu ihrer Lebensqualität bei, wenn es seine ökonomische, soziale und ökologische Haltung transparent macht. Der Aspekt der Haltung rangiert damit im Spitzenfeld der kundenrelevanten Aspekte - gemeinsam mit "Klassikern" wie Preis und Zeitersparnis. 

Purpose

Die Pandemie hat diesen Trend nur verstärkt. Und tatsächlich finden sich immer mehr Unternehmen, die sich zu gesellschaftlichen Themen äußern. Als Vorbild gilt zum Beispiel Nike mit der Unterstützung von US-Quarterback-Star Colin Kaepernick in seinem Kampf gegen Polizeigewalt und Rassismus. Auch in Deutschland vertreten Unternehmen zunehmend politische Standpunkte, wie zum Beispiel Lufthansa im letzten Europa-Wahlkampf mit ihrer "Say yes to Europe"-Kampagne. Die Zeiten, in denen das einzige Ziel eines Unternehmens die Gewinnmaximierung ist, sind Geschichte. Um langfristig am Markt bestehen zu können und vor allen Dingen um einen verantwortungsvollen Beitrag für unserer Gesellschaft zu leisten, müssen Unternehmen ethisch korrekt handeln.

Otto Group: Nein zu Antisemitismus – Ja zur Bornplatzsynagoge! 

Als Hamburger Unternehmen stehen wir nicht nur zur jüdischen Geschichte – auch zur jüdischen Gegenwart und zur jüdischen Zukunft. Deshalb unterstützen wir die Initiative Wiederaufbau Bornplatzsynagoge. Das Statement von Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, im Video auf bornplatzsynagoge.org.

Nein zu Antisemitismus – Ja zur Bornplatzsynagoge! Als Hamburger Unternehmen stehen wir nicht nur zur jüdischen Geschichte – auch zur jüdischen Gegenwart und zur jüdischen Zukunft. Deshalb unterstützen wir die Initiative Wiederaufbau Bornplatzsynagoge.
 

Trendstudien 2007, 2009, 2011, 2013, 2020

TrendstudieMit dem Erscheinen der ersten Trendstudie zum ethischen Konsum fiel für uns der Startschuss, das Thema des ethischen Konsums noch breiter in die Gesellschaft zu bringen und Verbraucher*innen dafür zu sensibilisieren. Alle Studien wurden vom renommierten „Trendbüro“ im Auftrag der Otto Group erstellt.

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Fünfte Otto Group Trendstudie zum ethischen Konsum

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Pressemitteilung zur Trendstudie 2020

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Manufactum - Bewusster Konsum im Fokus

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Dossier - Ökobilanz beim Shoppen - Wer macht das Rennen?

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Onlinehandel vs. stationärer Einzelhandel

 

 

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