Ökobilanz beim Shoppen - Wer macht das Rennen?

Aussagen zur Klimabilanz der verschiedenen Einkaufsszenarien könnten unterschiedlicher nicht sein. Die einen verdammen den Onlinekauf, die anderen preisen ihn als besonders umweltfreundlich im Vergleich zum Einkauf im stationären Einzelhandel. Was soll, was kann man glauben? Fest steht, es ist komplex.

 
 

Wissenschaftlich fundierte Daten über die Ökobilanz der beiden Shoppingwege zeigen im Kern, dass im Durchschnitt weder der Onlinehandel noch der Stationärhandel besonders gut oder schlecht abschneiden. Aber: Der Transport von Waren vom Händler zu den Kund*innen ist beim Onlinehandel durchschnittlich effizienter und verursacht dadurch weniger klimaschädliche Gase – selbst unter Einbeziehung der Retouren, die beim Paketversand den Handel prägen.

Allerdings spielen noch weitere Komponenten in die gesamte Klimaschutzbetrachtung hinein, z.B. der Verbrauch von Verpackungsmaterialien oder der Stromverbrauch bei den stationären Prozessen für den Umschlag von Sendungen und Waren.

Wer gewinnt den Klimastreit?

Über die Kontroverse um das Klima beim Einkaufen hat die Otto Group einen Beitrag auf ihrem Blog ottogroupunterwegs veröffentlicht und anhand zur Verfügung stehender Daten aufgezeigt, ob der Kauf bei Amazon, Otto und Co. umweltbelastender ist als der Einkauf in der Innenstadt, im Baumarkt oder Möbelhaus? Die Wahrheit liegt jenseits populärer Vorurteile. 

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Auch eine jüngst veröffentlichte Studie des Umweltbundesamtes (“Die Ökologisierung des Onlinehandels”) konstatiert, dass es für die Klimabilanz nicht entscheidend sei, ob wir online oder im Geschäft einkaufen gehen. Die wichtigsten Klimaschutz-Stellschrauben im stationären Handel seien der Energieverbrauch vor Ort und die Wahl des Verkehrsmittels der Kund*innen. Umweltbelastende Faktoren im Onlinehandel seien die Versandverpackungsabfälle und der Lieferabschnitt bis zur Haustür, die sogenannte letzte Meile. 

Und genau in diesen beiden Bereichen - Verpackung und Zustellung zu den Kund*innen - arbeitet die Otto Group aktiv daran, die Auswirkungen auf das Klima zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Mehr dazu weiter unten auf dieser Seite.

 

Onlinekauf ist umweltschädlich - eine Aussage, die hinkt

DCTI-StudieBereits vor fünf Jahren hat eine Studie des angesehenen Deutschen Clean Tech Instituts (DCTI) die weit verbreitete Annahme widerlegt, dass der Onlinehandel das Klima mehr belastet als der stationäre Handel. „Klimafreundlich einkaufen – eine vergleichende Betrachtung von Onlinehandel und stationärem Einzelhandel“ heißt die von der Otto Group und Hermes initiierte Studie. Wichtigstes Ergebnis: Trotz Retouren und teilweise mehrmaliger Anfahrt durch den Paketzusteller ist der Onlinekauf nicht umweltschädlicher als der Kauf im Geschäft. Das positive Ergebnis für den Onlinehandel ergibt sich vor allem durch den verdichteten Transport der Sendungen durch die Paketdienste, die je Anfahrt immer mehrere Kund*innen beliefern. Die CO2-Bilanz dieser gebündelten Verkehre ist damit der individuellen Anfahrt vieler Kund*innen mit dem PKW in die Innenstadt deutlich überlegen. 

Grundsätzlich belegt die Studie, dass nur die Vermeidung von unnötigen Verkehren zur weiteren CO2- Einsparung führen kann. Deshalb arbeitet die Otto Group weiter mit Hochdruck daran, ihr Angebot noch effizienter zu gestalten. Alternative Versandoptionen wie PaketShops, WunschZustellung, Zeitfensterzustellung oder Paketboxen helfen dabei, die Kund*innen noch häufiger direkt beim ersten Anlauf zu erreichen - und so die für die Logistik maßgebliche Erfolgsquote zu erhöhen.  

Abstract DCTI-Studie > 

DCTI-Studie >

 

Retouren im Onlinehandel

RetourenLaut Statistischem Bundesamt hat die Corona-Pandemie dem Onlinehandel einen Boost beschert und den Umsatz in die Höhe getrieben. Auf der anderen Seite beklagt ein Großteil der Onlinehändler in Deutschland nach Angaben von logistik-heute trotz wachsendem Bestellvolumen einen Umsatzrückgang durch steigende Retouren. Und was trifft auf die Otto Group zu?

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie beobachten die Onlinehändler der Otto Group ein strukturell verändertes Einkaufsverhalten ihrer Kunden*innen und dadurch eine deutlich geringere Retourenquote. Ob sich womöglich ein generell bewussterer Einkauf etablieren wird, der nachhaltig zu geringeren Retourenquoten führt, ist noch offen. 

Und was passiert mit den Retouren?

In der jüngeren Vergangenheit machten immer wieder Zahlen und Aussagen die Runde, die suggerierten, dass ein nicht unerheblicher Anteil an intakter Ware nach der Rücksendung vernichtet werde. So war unter anderem in einer Studie der Universität Bamberg von vier Prozent aller zurückgesendeten Artikel die Rede, die im deutschen Online- und Versandhandel im Jahr 2018 entsorgt worden seien. Für die Otto Group jedenfalls treffen die Ergebnisse in keiner Weise zu. Fakt ist: Der Anteil der Waren, die wir tatsächlich vernichten müssen, ist verschwindend gering und liegt im Promillebereich. Bereits im Oktober 2019 hatten wir über den Umgang mit Retouren in der Otto Group berichtet und dabei folgende Erkenntnis geteilt: 

  • Die Vermeidung von Retouren und das Wiedereinbringen von Ware in den Verkaufsprozess ist schon aus rein wirtschaftlichen Gründen im hohen Interesse der Otto Group
  • Retournierte Ware wird bei uns zu 97 Prozent nach einer Prüfung direkt wieder dem Verkauf zugeführt. 
  • Der Anteil der retournierten Ware, der nicht mehr verkauft oder gespendet werden kann, sondern vernichtet werden muss, liegt im Promillebereich. 
  • Retouren lassen sich nicht vermeiden, aber eindämmen. Dazu verwendet die Otto Group unter anderem hochwertige Produktfotos, detaillierte und transparente Artikelbeschreibungen, KI-basierte Auswertung von Kund*innenbewertungen und Augmented Reality bei Möbeln. 

Umgang mit Retouren bei OTTO >

 

 

Das bevh-Retourenkompendium: Retouren und Nachhaltigkeit

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e. V. (bevh) ist das Thema Retouren 2020 auch wissenschaftlich angegangen und hat ein umfassendes wissenschaftliches Kompendium zum Thema „Retouren“ veröffentlicht. Denn nach Aussage von Herausgeber Prof. Dr. Gerrit Heinemann sei Aufklärungsarbeit gefordert, da Retouren von einer immer breiter werdenden Öffentlichkeit als ‚Klimakiller‘ angesehen und die Retourenthematik politisiert werde.

Retourenkompendium des bevh >

Zustellung der Ware an die Kund*innen

Innovationen bei Hermes auf der letzten Meile 

Zentraler Aspekt in der Frage nach Nachhaltigkeit im Onlinehandel ist die Zustellung der Ware zu den Kund*innen, auch „letzte Meile“ genannt. Bei Hermes setzt die nachhaltige Gestaltung der Logistik an verschiedenen Stellen an: 

Im Bereich Transport bedeutet das beispielsweise die Erweiterung der Flotte durch umweltschonendere Fahrzeug-Alternativen wie E-Transporter oder Lastenräder. Sie reduzieren die Emissionen durch umweltschonende Antriebe und die Entlastung des Stadtverkehrs. 

Durch den Ausbau des PaketShop-Netzes und die Einrichtung von Paketstationen lassen sich die Anzahl der Fahrten und damit die Emissionen im Zustell-Prozess reduzieren. Zusätzlich kann der CO2-Ausstoß dadurch gesenkt werden, dass Mehrfachanfahrten von Kund*innen vermieden werden, wenn diese nicht erreichbar sind. Hierzu tragen Lösungen wie die Nachbarschaftszustellung oder die Wunschzustellung zu vereinbarten Zeiten bei.

Routen datenbasiert optimieren

Auch die intelligente Tourenplanung trägt zur Reduktion des Schadstoffausstoßes während der Auslieferung der Ware an die Verbraucher*innen bei. Die Tourenplanung beinhaltet die datenbasierte und dynamische Optimierung von Sendungsreihenfolge und Routenführung, was sowohl eine präzisere und effizientere Zustellung durch verbesserten Fahrtfluss (weniger Stop-and-go), als auch einen deutlichen CO2-Einspareffekt bedeutet. Hermes kann mit der digitalen Tourenplanung beispielsweise derzeit rund 7 Prozent der täglich gefahrenen Kilometer durch das Tool reduzieren. Dies entspricht schätzungsweise in etwa 12-16 Tonnen CO2 (je nach Basis: Kraftstofftyp und durchschnittlicher Verbrauch eines Fahrzeugs).

Verpackungen im Onlinehandel

Die Corona-Pandemie und die zeitweise Schließung von Geschäften und Läden treiben die Bestellungen im Onlinehandel und damit auch die Verpackungsmenge der Ware nach oben. Der größte Anteil des Abfalls landet im Altpapiercontainer oder dem Gelben Sack und wird dem Recycling zugeführt. Dennoch sind Lösungen gefordert, um dem steigenden Aufkommen an Verpackungsmüll und dem Verbrauch an Ressourcen, entgegenzuwirken.

Die Otto Group arbeitet an vielfältigen Lösungen zur Abfallvermeidung. So ermöglichen etwa exakte digitale Berechnungsmodelle eine optimale Auslastung und Anpassung der genutzten Verpackungen, sodass Lufteinschlüsse z.B. in den Kartons minimiert werden. Die Folge: Lkw-Transporte können besser ausgelastet werden, die CO2-Emission pro Sendung sinkt. Bereits 2013 haben wir darüber informiert.

Darüber hinaus können klassische Verpackungen ersetzt werden, beispielsweise durch wiederverwendbare Versandtaschen oder Beutel aus Plastik, das global vernetzte Initiativen in der Umwelt sammeln und recyceln. Solche Alternativen pilotiert beispielsweise unsere Konzerngesellschaft OTTO mit den Start-ups WILDPLASTIC, RePack und Cadel Deinking.

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