Zwischen Skepsis und Verheißung: Wie können wir künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen?
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Zwischen Skepsis und Verheißung: Wie können wir künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen?

23/09/2021

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) leben wir schon bald in einer smarteren Welt – das zumindest scheint das große Versprechen der Technologie. Aus ethischer Sicht fielen KI-basierte Algorithmen bei der Gesichtserkennung oder im Recruiting-Prozess jedoch bislang eher negativ auf. Woran liegt das? Wie können wir KI verantwortungsvoll einsetzen und ihr Potenzial für alle Menschen nutzbar machen? Diese und viele weitere Fragen haben Expert*innen auf der MAIN Session, der ersten KI-Konferenz von OTTO, diskutiert.

Im Panel „Warum ist Ethik in der KI so ein relevantes Thema?“ machten Britta Daffner (IBM), Jil Hammerschmidt (Deloitte) und unsere Kollegin Dr. Michaela Regneri (OTTO) deutlich: Technologie ist nie per se gut oder böse. Entscheidend ist die Frage, wie wir sie nutzen. Mit einem 3D-Drucker können wir beispielsweise Prothesen und sogar Organe herstellen – oder Waffen. Statt also theoretisch über die Vor- und Nachteile von KI zu diskutieren, sollten wir uns die Frage stellen, wie wir in Zukunft leben wollen und Strategien für KI finden, die diese Vision bestmöglich unterstützen.

Klar ist für die Diskutantinnen auch, dass Ethik eine große Rolle für den verantwortungsvollen Einsatz der Technologie spielt. KI lernt von uns Menschen und wir sind leider nicht objektiv – die Qualität unserer Entscheidungen hängt manchmal schlicht davon ab, ob wir sie vor oder nach dem ersten Kaffee treffen. Unsere Erfahrungen, unser Hintergrund, unsere Kultur und viele weitere Faktoren beeinflussen maßgeblich, wie wir die Welt wahrnehmen – und diese Sicht auf die Dinge spiegelt sich auch in den historischen Daten wieder, die wir erfassen und die in künstliche Intelligenz einfließen. Somit ist KI nur so fair und hilfreich wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Das heißt, nur wenn wir uns unserer subjektiven Wahrnehmung bewusst werden und in der Lage sind, einen Algorithmus mit objektiven Daten zu füttern, kann der Algorithmus auch eine neutrale Entscheidung treffen.

Unconscious Bias: Verantwortungsvoller Umgang mit KI setzt Selbstreflektion voraus

Rassismus und andere Formen der Diskriminierung, die bei KI-basierten Anwendungen wie der Gesichtserkennung immer wieder beobachtet werden, sind also kein Problem der Technologie selbst. Es ist vielmehr so, dass Diskriminierung sehr oft bereits ein Teil unserer Realität ist und wir sie, meist ungewollt, an die Technologie weitergeben. Der erste Schritt auf dem Weg hin zu neutraler KI ist es also, uns unserer eigenen, unbewussten Vorurteile – dem sogenannten Unconscious Bias – bewusst zu werden und sie abzubauen. Auch das war Thema der MAIN Session: Dr. Fereshta Yazdani (Lufthansa Industry Solutions) erklärte, wie sehr diese unbewussten Verzerrungen die Algorithmen beeinflussen, die wir entwickeln. Um künstliche Intelligenz wirklich verantwortungsvoll und im Sinne aller Menschen gestalten zu können, müssen wir uns diese Stereotype bewusst machen. Hier könnt ihr euch ihren Talk von der MAIN Session (noch einmal) anschauen:

Ein Teil der Lösung ist es auch, Menschen mit möglichst vielfältigen Erfahrungshintergründen und Blickwinkeln an der Technologie-Entwicklung teilhaben zu lassen. Dafür müssen wir vor allem mehr Menschen Zugang zu digitaler Bildung geben und für eine Tech-Karriere begeistern. Sonst schreiben weiterhin einige Wenige die technologische Zukunft Aller.

Vom Reden zum Handeln: Mit positiven Anwendungsfällen das Vertrauen in KI stärken

In der gesellschaftlichen Debatte rund um KI standen bislang vor allem Negativbeispiele im Fokus, die Skepsis scheint hierzulande groß. Dr. Michaela Regneri appellierte auf der Veranstaltung dafür, die vielen positiven Anwendungsfälle stärker in den Mittelpunkt zu rücken: Künstliche Intelligenz ist schon jetzt in vielen beliebten Diensten und Programmen enthalten. In der yourhome-App von OTTO hilft sie beispielsweise dabei herausfinden, ob und wie gut neue Möbel in die eigenen vier Wände passen. Auf otto.de analysiert KI Kundenrezensionen und filtert häufig genannte Eigenschaften heraus. Kund*innen können die Kommentare dann nach den Merkmalen sortieren, die andere Nutzer*innen besonders häufig erwähnt haben, inklusive Tonalität der Bewertung. Auch Roboterstaubsauger und jedes moderne Smartphone beinhalten KI – ein weiterer Aspekt, dem wir uns oft nicht bewusst sind. Michaela ist überzeugt, dass positive Nutzungserfahrungen und Convenience viele Menschen für die Technologie gewinnen können. Es braucht aber auch vertrauensbildende Maßnahmen durch alle, die künstliche Intelligenz entwickeln, einsetzen und regulieren: Unternehmen und Politik müssen Grundsätze und Maßnahmen definieren, die den verantwortungsvollen Einsatz von KI fördern und Machtmissbrauch mit Hilfe der Technologie verhindern. Auf diesem Fundament können wir dann aufbauen und positive Use Cases in den Mittelpunkt stellen, um für KI zu begeistern, wie etwa die Prognose des Weltklimas, die Diagnose und Therapie von bislang unheilbaren Krankheiten oder die Entwicklung des Corona-Impfstoffs.

Mit diesem Bewusstsein dafür, wo KI bereits eingesetzt wird und den Menschen hilft, können wir eine gesamtgesellschaftliche Debatte anstoßen, die bislang primär in Expert*innenkreisen geführt wird. Dabei betrifft künstliche Intelligenz als Querschnittstechnologie, die alle Lebensbereiche verändern wird oder bereits verändert hat, uns alle. Die Fragestellungen rund um KI und andere innovative Technologien müssen raus aus der Nische und in der Breite diskutiert werden, damit wir als Gesellschaft informiert entscheiden können, wie wir KI verantwortungsvoll einsetzen möchten. Auch digitale Bildung spielt hier eine entscheidende Rolle. Und der Mut, vom Reden ins Handeln zu kommen. Damit wir unsere Werte in die Entwicklung von KI-Anwendungen einbringen können und Deutschland im internationalen Vergleich als Technologie-Standort nicht weiter abgehängt wird.

Alle Videos von der MAIN Session sowie eine Zusammenfassung der wichtigen Learnings findet ihr hier.

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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