Türöffner Sprache
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Türöffner Sprache

28/05/2019

Hermes hat alle Zusteller in Deutschland mit hochmodernen, mehrsprachigen Handscannern ausgestattet. Während die Kunden von einer verlässlicheren und schnelleren Auslieferung profitieren, helfen die Scanner auch bei der Integration und Mitarbeiterbindung von Paketzustellern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Tour 901 beginnt mit einer Wende. Das Tablet auf dem Armaturenbrett hat dem Hermes-Zusteller Carsten Stamer eine Straße und Hausnummer angezeigt, an die er das erste Paket des Tages ausliefern soll. Er blickt auf eine riesige umzäunte Industriehalle. Wieder so ein Fall, wo Meldeadresse und tatsächlicher Zustellort nicht übereinstimmen. Stamer macht einen U-Turn mit seinem elektrisch betriebenen Transporter und biegt in eine Seitenstraße, die hinter das Gebäude führt. Er steigt aus, eilt mit dem Paket in den Händen über einen Parkplatz, fragt einen Lkw-Fahrer um Rat und landet schließlich vor einem halb geöffneten Rolltor. Angekommen, endlich. Barcode scannen, Unterschrift einholen – und schnell weiter. Noch 61 Pakete im Kofferraum und schon kurz nach zehn. 

Für gewöhnlich bereitet Stamer, 57 Jahre alt, grau melierte Haare, in der Hermes-Zustellbasis Quickborn die Touren von 45 Mitarbeitern vor. Wenn sein Arbeitstag um sechs Uhr morgens am nördlichen Rand Hamburgs beginnt, überprüft er, ob alle Pakete richtig aufgeteilt sind. Dann werden sie auf Rollbehälter geladen, um den Transporter im Anschluss schneller bestücken zu können. Die Arbeit erleichtert ihm seit kurzem ein Gerät, das er in einer Tasche am Hosenbund mit sich trägt: ein Handscanner, mit dem er festhält, welche Pakete er in seinen Transporter lädt und wann er sie dem Kunden übergibt. 18.000 dieser elektronischenHelfer hat Hermes im Lauf des vergangenen Jahres an die Zusteller in Deutschland verteilt. Sie sind kleiner als die alten und verfügen trotzdem über ein größeres Display und eine bedeutend bessere Akkuleistung. 

„Die Handhabung verbessert sich mit den neuen Geräten für unsere Zusteller deutlich und sie sind schneller und effektiver unterwegs“, sagt Roland Lazina, Leiter der Abteilung Process Design im Bereich Operations in der Hamburger Hermes-Zentrale. Lazina verantwortet ein Team, das die Anforderungen für die Zustell-App „Delta“ konzipiert hat, über die Stamer und seine Kollegen ihre Touren auf ihren Handscannern verwalten. Und er beobachtet, wie sie in der Praxis funktioniert. „Wir optimieren die App ständig weiter“, sagt er. Ziel ist es etwa, dass Stamer auch eine Fußgängernavigation innerhalb der App nutzen kann, sodass Umwege wie die im Norderstedter Industriegebiet, wo er heute unterwegs ist, durch noch flexiblere, intelligentere Routenplanung vermieden werden können. Schon heute ermöglicht der Scanner eine bessere Planbarkeit, Transparenz und kurzfristiges Umrouten. 

Besondere Rücksicht haben Lazina und das Entwicklerteam darauf genommen, dass viele der Hermes-Zusteller nicht aus Deutschland kommen – neben Stamer sind nur drei weitere Muttersprachler an der Zustellbasis Quickborn beschäftigt. Die App lässt sich deshalb auch auf Rumänisch, Bulgarisch, Polnisch, Türkisch, Russisch, Englisch und Französisch bedienen. Hermes betrachtet es als eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, Menschen vielfältiger Herkunft in den Arbeitsmarkt zu integrieren – und möchte sie längerfristig an sich binden. Viele der Zusteller würden regelmäßig von der Konkurrenz umworben, erzählt Lazina. Um sie nicht zu verlieren, müsse Hermes ihren Arbeitsplatz so attraktiv wie möglich gestalten. Auch Carsten Stamer ist von der App angetan: „Die Menüführung ist so schön einfach“, sagt er. Neue Kollegen – ob deutsche Muttersprachler oder nicht – müssten heute kaum noch eingearbeitet werden, denn „Delta“ sei selbsterklärend. 

Ganz besonders schätzt Stamer, dass es durch die App angenehmer geworden ist, Pakete bei Nachbarn zu hinterlegen. Gut die Hälfte der Kunden war nicht zu Hause, als seine Tour durch Norderstedt gegen 14 Uhr endet. Jedes Mal hat er bei Nachbarn geklingelt, die bereit waren, die Ware für sie anzunehmen. Früher hätte Stamer dadurch viel Zeit verloren. Er hätte immer wieder vor einer Haustür gestanden, eine Zustellkarte eingescannt, den Namen des Nachbarn notiert und ihn dann unterschreiben lassen. Heute kann er seine Fahrt pünktlich beenden, weil es genügt, dass der Nachbar mit dem Finger auf dem Touchscreen des Handscanners unterschreibt. So erledigt er alle weiteren notwendigen Schritte praktisch im Weitergehen, spart sich und den Kunden viel Zeit und bringt Tour 901 erfolgreich zu Ende.


Die oben aufgeführte Geschichte stammt aus dem aktuellen Geschäftsbericht der Otto Group, der ab sofort hier bezogen werden kannUnter dem Motto „Hallo Mensch“ werden darin Portraits, Meinungsstücke und Interviews aufgeführt, die ein Gefühl dafür vermitteln, welche Rolle Mut, Vielfalt und Verantwortung  in der digitalen Zukunft spielen werden.

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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