Schutzengel für ukrainische Geflüchtete: Otto Group unterstützt Be an Angel e.V.
Schutzengel für ukrainische Geflüchtete: Otto Group unterstützt Be an Angel e.V.
14
04

Schutzengel für ukrainische Geflüchtete: Otto Group unterstützt Be an Angel e.V.

14/04/2022

Seit dem Angriff auf die Ukraine haben 4,5 Million Menschen ihr Land verlassen. Mehr als 400.000 von ihnen sind in die Republik Moldau (ugs. Moldawien) geflohen. Die Otto Group unterstützt die Initiative „Be-an-Angel", die geflüchtete Menschen mit Bussen nach Deutschland in Sicherheit bringt.

Seit 2015 engagiert sich Be an Angel e.V. für Geflüchtete. Die Liste der bis dato realisierten Hilfsprojekte reicht von humanitärer Nothilfe an den EU-Außengrenzen, über Projekte in Heimatländern wie Syrien und Libanon bis hin zu Unterstützung der Geflüchteten im Bürokratiedschungel Deutschlands. Die Otto Group unterstützt den gemeinnützigen Berliner Verein finanziell, dessen Vorsitzender Andreas Tölke für sein Engagement 2021 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde. Keine Frage also, dass Be an Angel sich auch mit großem Engagement für die Menschen aus der Ukraine einsetzt. Neben der Sorge, dass sich der Krieg im Nachbarland ausweiten könnte, ist die Republik Moldau besonders von starken wirtschaftlichen Auswirkungen betroffen.

Drei Fragen an Andreas Tölke:

Lieber Andreas, zunächst vielen Dank, dass du dir angesichts der aktuellen Ereignisse die Zeit nimmst, mit uns zu sprechen. Ihr evakuiert direkt aus Moldau. Wie ist die Situation vor Ort?

Andreas: Ich habe zu danken, dass Ihr uns ein Ohr schenkt! Wir evakuieren Menschen aus der Ukraine, die in Moldawien – dem ärmsten Land Europas – knapp 100km von der ukrainischen Grenze, gestrandet sind. Die Moldawische Regierung, mit der wir eng zusammenarbeiten, hat in der Hauptstadt Chişinău 32 Camps eingerichtet. Die fahren wir an und organisieren die Weiterreise für Geflüchtete, die nach Deutschland wollen. Gemeinsam mit Team Humanity, die unter Einsatz ihres Lebens Menschen in der Ukraine evakuieren und nach Moldawien bringen, retten wir täglich mit Bussen bis zu 150 Personen. Zusätzlich arbeiten wir mit dem ,National Congress of Ukrainians in Moldova zusammen. Die Organisation begleitet die Flüchtlinge aus der Ukraine, die in Moldawien in der Regel bei Privatpersonen Unterkunft gefunden haben. Durch die Zusammenarbeit mit der moldawischen Politik funktioniert das momentan sehr gut. Es gibt mittlerweile einen gut strukturierten Ablauf. Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Situation schwierig. Der Strom der Flüchtenden reißt nicht ab.

Zusätzlich unterstützen wir das UNHCR, welches Regulierungsflüge ab Chişinău – trotz Flugverbotszone – initiiert. Wir vermitteln besonders schutzbedürftige Geflüchtete, denen eine Busreise von circa 36 Stunden nach Deutschland nicht zumutbar ist. In Deutschland haben wir Kontakt zur Caritas, welche die Menschen mit besonderen Bedürfnissen direkt am Flughafen in Empfang nimmt und versorgt. Mittlerweile evakuieren wir sogar selbst Menschen direkt aus der Ukraine. Anfang April sind wir in die Ukraine gefahren, haben dort Menschen mit physischen Behinderungen evakuiert und nach Moldawien gebracht. Hier werden sie nun medizinisch versorgt und mit einem Flieger nach Deutschland transportiert, wo die Ankunft und Übernahme vom Außenministerium koordiniert wird. Wir planen solche Einsätze nun regelmäßig, nebst der Evakuierung mit Hilfe von Team Humanity.

Was geschieht nach der Evakuierung? Wie sieht die Begleitung in Deutschland aus?

Andreas: Wir organisieren die Ankunft in Deutschland. Das heißt, wir haben freiwillige Helfer – egal in welchem Bundesland –, die wir kennen und die sich um den ankommenden Bus kümmern. Wir meiden Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München, da die bereits völlig überfüllt sind und der Anmeldeprozess viel zu lange dauern würde. Stattdessen gehen wir auf die anderen Bundesländer zu. Alles wird vor Abfahrt organisiert. Kein Bus fährt los, ohne eine finale Destination und Unterbringung gewährleistet zu haben. Alle Reisenden bekommen einen ,Fahrplan’ wie und wo es in Deutschland weitergeht. Die ehrenamtlichen Helfer kümmern sich dann um die Verteilung der Flüchtlinge. Einige wollen weiterreisen, weil sie Freunde, Familie oder Bekannte haben. Die anderen bekommen eine Zwischenunterkunft, damit sie sich von den Strapazen erstmal erholen können, ohne Todesangst haben zu müssen. Die Helfer organisieren und begleiten auch den Gang zum Amt – sowohl bei der Registrierung als auch bei der Weiterreise und bei allen weiteren Schritten, die dann nötig sind. Ab dann sind wir nicht mehr tief involviert – aber es gibt immer Einzelfälle, bei denen wir weiterhin unterstützen, weil es Probleme gibt.

Was benötigt ihr, um weiterhin aktiv sein zu können?

Andreas: Es sind und bleiben die Spenden, damit wir weiterhin die Busfahrten organisieren und bezahlen können. Ein Platz in einem Bus kostet uns 150 Euro. Gleichzeitig organisiert Be an Angel e.V. Medikamente für die – teilweise unter katastrophalen Umständen weiter funktionierenden –Krankenhäuser in Odessa, Kiew und Lemberg. Ein Medikamente-Basispaket kostet ca. 480 Euro. Aber auch das Thema Nahrungsmittel beschäftigt uns. Es geht um unfassbar viele Menschen, die das kleine Moldawien ,fassen’ muss. Es gibt mittlerweile in Chişinău ein ehemaliges Restaurant, das sich in eine Abholstelle für eine Mahlzeit pro Tag umgewandelt hat. Es sind ca. 1.200 Personen täglich, die sich Essen holen. Das ist natürlich schwierig, aufrecht zu halten. Zudem bekommen unsere Reisenden auch immer ein Carepaket mit auf die lange Reise bis nach Deutschland. Auch die müssen finanziert sein. Deshalb kann ich einfach nur bitten, das Sparschwein plündern.

Außerdem sind wir auf unser Netzwerk angewiesen, das wir mittlerweile in allen Bundesländern aufgebaut haben. Unser Netzwerk ist schon groß, aber wir brauchen laufend weitere Hilfe in den Städten und Gemeinden, die die Busse „untere ihre Fittiche“ nehmen. Wenn es Menschen gibt, die Zeit und Lust haben, sich um die Geflüchteten in einem Ort/Stadt zu kümmern und deren Erstunterbringung zu organisieren, sind sie herzlich willkommen, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wie wirksam ein gutes Netzwerk ist, weiß Leonie Bechtoldt, Head of Social Media, Consumer PR, Brand & Content bei der Baur-Gruppe aus eigener Erfahrung: „Seit vier Wochen kümmere ich mich zusammen mit einer Freundin um einen jungen Ukrainer, der mit seiner zweijährigen Tochter geflohen ist. Die sekündlich reinkommenden Whatsapp-Nachrichten aus seiner Heimat und die Gespräche mit ihm haben mich tief bewegt. Dank unseres privaten Netzwerkes konnte er nun eine Wohnung finden, in der er erstmal mietfrei wohnen kann. Und einen Job bei ,Be an Angel’, bei dem er aus Deutschland heraus seinen Landsleuten helfen kann, hat er auch.”

Unter den zahlreichen Hilfsaktionen für die Ukraine, welche die Otto Group unterstützt, ist dank des Hinweises von Leonie auch ,Be an Angel’: „Ich kenne Andreas Tölke seit rund zwanzig Jahren. Als ich eine Woche nach Ausbruch des Krieges mit ihm telefonierte und von seinem Vorhaben erfuhr, drei Tage dort zu bleiben, dämmerte mir schon: Er bleibt länger. Seitdem werde ich nicht müde, auf ,Be an Angel’ hinzuweisen und mein Netzwerk zu aktivieren, Spenden zu generieren. Denn ich weiß, jeder Cent kommt direkt an und wird dafür genutzt, Menschen auf Augenhöhe zu helfen. Daher freue ich mich, dass der Otto Group Krisenstab meinem Hinweis gefolgt ist und die Organisation mit 5.000 Euro unterstützt.”

Redaktion ottogroupunterwegs
 

Kommentare

  • Martin Herbst

    Vielen Dank für den Artikel. Ulrike Lessig von Be an Angel e.V. berichtet aktuell im DW Podcast "Echt behindert" über die Situation von Menschen mit Behinderung auf der Flucht (aus der Ukraine): https://www.dw.com/de/auf-der-flucht/av-61607413

    02/05/2022 10:56Uhr
    Antworten
Kommentar schreiben
Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Hinweis

Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen