Retten Programmierer*innen die Welt?
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Retten Programmierer*innen die Welt?

12/10/2021

Der Klimawandel ist die große Herausforderung unserer Zeit. Dabei kommen uns oft Bilder von Autos, Massentierhaltung oder brennenden Müllbergen in den Kopf. In unserer hochdigitalisierten und vernetzten Welt wird aber ein anderer Bereich immer relevanter: Sustainable Programming. Retten Programmierer *innen die Welt?

Jeder Klick hat Folgen

Video-Streaming, Bitcoing-Mining, Online-Shopping, eine kurze Danke-E-Mail: All dies läuft über Server, die mit Strom betrieben werden, somit Ressourcen verbrauchen und die Umwelt belasten. Jedes einzelne gestreamte Video auf YouTube oder Netflix, jeder Bitcoin oder Online-Einkauf für sich hat natürlich keinen relevanten Einfluss auf das Klima. Wenn wir uns aber vor Augen führen, wie viele Menschen weltweit diese Dienste jeden Tag nutzen, zeigt sich ein anderes Bild: Schon 2019 wurden beispielsweise weltweit jeden Tag eine Milliarde Stunden Videos auf YouTube konsumiert. Allein durch Online-Videos fallen mehr als 300 Millionen Tonnen CO² pro Jahr an.

Es geht um jede Zeile Code

Der Einfluss digitaler Technologien auf die Umweltbelastung wird weiter zunehmen, denn das Daten-Volumen lag 2020 bei 64 Zettabyte und wird laut Prognosen bis 2025 auf 180 Zettabytes anwachsen – ein Zettabyte sind 1^21 Bytes, ausgeschrieben 1.000.000.000.000.000.000.000 Bytes. Umso wichtiger wird es also, dass neben der Nutzung regenerativer Energien zur Stromerzeugung auch bei der Programmierung der digitalen Dienste Nachhaltigkeit von Anfang an bedacht wird: Sustainable Programming. Dahinter steckt das Prinzip, Programm-Code möglichst schlank und effizient zu halten, mit dem Ziel nicht nur schnell zu sein, sondern vor allem die Umweltbelastung zu minimieren. Sustainable Programming und Green IT sind damit nah beieinander, ersteres bezieht sich aber ausschließlich auf Software und Anwendungen.

Dass jede Zeile Code wichtig sein kann, zeigt eine buchstäblich kleine Änderung des Programmierers Danny van Kooten: Er verringerte den Code des WordPress Plug-ins zur Newsletter-Registrierung auf Webseiten um 20 KB. Nichts im Vergleich zu jedem durchschnittlichen YouTube-Video. Da aber Millionen Webseiten sein Plug-in nutzen, summiert es sich schnell: Er berechnete, dass die 20 KB monatlich zu einer Einsparung von 59 Tonnen CO² führten.


Verbrauch Streaming

Eine Challenge für Programmierer*innen

„Responsible commerce that inspires“ lautet die Vision, die die Otto Group 2020 ausrief und so einen Impuls zu nachhaltigerem Handeln im Konzern und in der Branche setzte. Damit startete ein konzernweiter Austausch darüber, wie sich das Handeln der Konzernunternehmen nicht nur auf die Organisationen selbst, sondern auch auf die Menschen, die Umwelt und die Gesellschaft auswirkt. Bei OSP (Otto Group Solution Provider), ein Unternehmen der Otto Group für Software-Entwicklung und IT-Beratung, nahm ein agil organisiertes Projektteam diese Vision zum Anlass, die Initiative „Sustainable Programming“ als internationale OSP-Challenge zu starten. Heraus kam nicht nur ein gestärktes Bewusstsein für die Relevanz nachhaltiger Programmierungen, sondern viele Ideen, die das Team nachverfolgen und in Pilotprojekte umsetzen will. Anja Luber von OSP: „Da das Thema relativ neu ist, gibt es keine allgemeingültige Definition. Teil unserer Challenge war daher, eine funktionierende, einheitliche Definition zu finden. Bei der Beschäftigung mit dem Thema wird dann schnell klar, wie viele größere und kleinere Möglichkeiten es gibt, von der einfachen Reduktion von Code-Zeilen bis hin zur Optimierung von Logistik-Prozessen. Wir hoffen, einige der Ideen in der Gruppe vorantreiben zu können.“

Doch reicht allein eine effiziente, nachhaltige Entwicklung von Anwendungen, um deren Einfluss auf das Klima signifikant zu reduzieren? Programmierer*innen legen mit Sustainable Programming ein Fundament. Als Nutzer*innen der Dienste und Anwendungen können wir ebenfalls einen Beitrag leisten, um unseren digitalen Fußabdruck zu minimieren, zum Beispiel bei den E-Mails. Jede gesendete und gespeicherte E-Mail verbraucht Strom. Auch hier gilt: Es summiert sich. Wenn wir also alle regelmäßig alte E-Mails löschen oder über kurze E-Mails ohne viel Inhalt zweimal nachdenken, tun wir etwas für unsere Umwelt. Programmierer*innen alleine können dies natürlich nicht – aber wie wir alle einen eigenen Beitrag leisten.


KI

Wie können wir Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen?

Sustainable Programming ist kein eng definierter Begriff. Neben der ökologischen Nachhaltigkeit gibt es weitere Aspekte, die gesellschaftliche Relevanz für Programmierung hat. Warum ist beispielsweise Ethik so wichtig?


Redaktion ottogroupunterwegs
 
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