„Im Kulturwandel können Einzelkämpfer nur scheitern!“
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„Im Kulturwandel können Einzelkämpfer nur scheitern!“

21/10/2019

Die Digitalisierung greift tief in Geschäftsprozesse ein und verändert die Märkte derartig schnell, dass ein veränderter Verhaltensmodus – eine neue Kultur der Zusammenarbeit und Vernetzung – nötig wird, um zukünftig erfolgreich zu sein. Warum Kulturwandel so komplex ist, welche Fehler gemacht werden und warum die Otto Group am 23. Oktober 2019 erneut zum Vernetzungstreffen und Barcamp #CDX19 (Culture Development Experience) einlädt, verrät uns Tobias Krüger, Division Manager Kulturwandel 4.0 bei der Otto Group, im Interview.


Tobi, du begleitest den Kulturwandel 4.0 der Otto Group seit vier Jahren. Wenn du den Blick nach außen richtest, wie hat sich deiner Meinung die digitale Transformation in Deutschland in dieser Zeit entwickelt? Wie weit ist die deutsche Wirtschaft?

Tobi Krüger

Tobi Krüger: "Also zunächst einmal gibt es nicht DIE deutsche Wirtschaft. Genauso wenig gibt es den einen Kulturwandel und das Rezept für erfolgreichen Kulturwandel. Unsere Märkte setzen sich aus unterschiedlichsten Branchen und damit unterschiedlichsten Akteuren zusammen. Von tradierten Unternehmen bis hin zu Startups – die Entwicklungsstufen hinsichtlich der kulturellen Veränderungsbedarfe und -bereitschaft sind sehr verschieden. Auch der Transformationsdruck von außen ist je nach Branche unterschiedlich hoch. So ist in unserem Fall der klassische Handel massiv von sich digitalisierten Prozessen und neuen Geschäftsmodellen betroffen. Zum Glück hat die Otto Group relativ früh die Potentiale der Digitalisierung erkannt und frühzeitig begonnen die Gruppe an diesen auszurichten zusätzlich haben wir mit dem Kulturwandelprozess 4.0 einen guten Weg eingeschlagen und weitere positive Bewegung in den Konzern gebracht.

Andere Branchen – wie beispielsweise die Pharmabranche – stehen eher am Anfang. Alles in allem haben deutsche Unternehmen aber im Gros erkannt, dass ein Wandel nötig ist. Es stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wie schaffen es die Unternehmen, einen kulturellen Veränderungsprozess nachhaltig zu starten. Leider gibt es hier keine Blaupause."

Was macht digitale Transformation und Kulturwandel so anspruchsvoll? Was sind die größten Fehler, die man machen kann?

Tobi Krüger: "Die Herausforderung besteht besonders darin, zu akzeptieren, dass Transformation ein ergebnisoffener Prozess ist, in dem es keine wirklich allgemeingültigen Antworten und Best Practices gibt. Kulturwandel weicht demnach davon ab, was im betriebswirtschaftlichen Umfeld gelernt ist: Kulturwandel ist kein Projekt mit fixem Enddatum, was sich verordnen oder delegieren lässt. Veränderungen sind wenig bis gar nicht in klassischen Kennzahlen abbildbar und auch die Geschwindigkeit der Veränderung lässt sich schlecht steuern.

Zudem ist die Transformation sehr kontextabhängig, da immer eine individuelle Ausgangsbasis und unterschiedliche Reifegerade vorliegen. So fängt Kulturwandel bei jedem Einzelnen an: Indem jeder sein eigenes Wirken und Handeln hinterfragt, in den offenen Dialog und Austausch tritt sowie mutig ist und mitgestalten mag, treibt er den Kulturwandel voran. Diese Verantwortung macht auch vor Führungskräften nicht halt, sondern ihnen kommt sogar eine besonders wichtige Rolle zu. Sie müssen den Wandel zulassen und Vorleben sowie einen Orientierungsrahmen für Mitarbeiter geben und zeitgleich die Unternehmensziele erreichen. Beides kann man nicht delegieren. Ein anspruchsvoller Spagat – aber alternativlos. Umso wichtiger ist es, dass der Vorstand mit gutem Beispiel vorangeht und auch die Führungskräfte zugleich beim Wandel ihrer Rolle begleitet und unterstützt. Am Ende geht es um Werte. Und mehr noch als Hierarchien und Prozesse sind diese sehr schwer zu ändern oder besser zu entwickeln. Sie stehen in keinem Organigramm und keiner Prozessbeschreibung. Ein klassischer Fehler im Kulturwandelprozess ist, dass eine Organisation nach einer unmittelbaren Lösung zu ihren Problemen sucht, ohne nach der Haltung zu fragen, mit der ein neuer Weg eingeschlagen werden soll.

Letztendlich geht es darum, individuelle Erfahrungen machen zu lassen, diese zu teilen und zu verstärken und zu neuer gelebter Kultur werden zu lassen. Es ist ein Spannungsfeld zwischen Richtlinien und Offenheit, Individualität und Gemeinschaft."

Die Otto Group veranstaltet dieses Jahr zum zweiten Mal die #CDX19, die Culture Development Experience. Erklärst du einmal worum es geht und welche Pläne es dafür gibt?

Tobi Krüger: "Wir sind seit Beginn unseres Prozesses mit sehr vielen Unternehmen im Austausch. Das sind andere Konzerne, Mittelständler, kleinere Organisationen oder Behörden. Obwohl die Rahmen und Branchen extrem unterschiedlich sind, teilen wir alle die gleichen Fragestellungen und Herausforderungen und haben festgestellt, dass wir sehr gut voneinander lernen können. Wir können gemeinsam die besten Lösungen und Ideen für gelingende Kulturentwicklung zusammentragen, so dass jeder für sich eine geeignete Herangehensweise für den individuellen Prozess findet. Und auch in der digitalen Zeit geht nichts über den persönlichen Austausch! Daher haben wir in 2018 zum ersten Mal zur Culture Development Experience eingeladen, kurz #CDX.  Zu der Veranstaltung kommen in dieser Woche über 300 Akteure und Kulturwandeler aus dem DACH-Raum zusammen – ein Treffen “unter Freunden” sozusagen, denn mit allen sind wir bereits im Austausch.

Die #CDX19 wird im Barcamp-Format stattfinden. Das heißt, die finale Agenda der „Mitmach-Konferenz“ entsteht erst vor Ort und setzt sich zusammen aus den Beiträgen, Fragen und Perspektiven der Teilnehmer aus rund 150 externen Unternehmen und etwa 30 Portfoliounternehmen der Otto Group. Jeder bringt sozusagen etwas mit zur Party und wir stellen die Plattform dafür zur Verfügung. Toll ist, dass dadurch nachhaltige Kontakte geknüpft und gemeinsame Projekte angestoßen werden. Denn wir haben immer wieder bemerkt: Als „Einzelkämpfer“ liegt das Scheitern von Transformationsprozessen nah. Selbst konkurrierende Unternehmen können voneinander profitieren, denn „Abschreiben“ gibt es nicht. Ich will hier noch einen weiteren Aspekt nennen, denn der Austausch fördert letztendlich nicht nur den individuellen Fortschritt der Unternehmen, sondern generell die Themen Digitalisierung und Innovation. So hoffen wir, dass die #CDX19 einen kleinen Baustein darstellt, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken."


Kurz & knapp: Wir haben Tobi im Fahrstuhl abgefangen und kurz zu seiner Sicht auf die digitale Transformation und den Kulturwandel in Deutschland befragt sowie zur Culture Development Experience 19:

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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