22.06.2011 | Hamburg
Nach einem hervorragendem Geschäftsjahr 2010/11 setzt die Otto Group auf Expansion nach Südamerika und neue Geschäftsmodelle
Mit viel Rückenwind aus einem hervorragenden Geschäftsjahr 2010/11 (28. Februar) geht die Otto Group in diesem Jahr mit einem Markteintritt in Brasilien und dem Start des neuen E-Commerce-Marktplatzes quelle.de zwei wichtige strategische Projekte an. Nach einer sorgfältigen Sondierung des brasilianischen Marktes ist der Handels- und Dienstleistungskonzern vom hohen Potenzial des südamerikanischen Landes überzeugt und will mit allen drei Geschäftssegmenten – E-Commerce, Service und Finanzdienstleistungen – in dem Markt aktiv werden. Quelle.de startet in den kommenden Wochen als Internet-Marktplatz, auf dem renommierte Händler und Markenhersteller Produkte aus den Sortimenten Technik und Living anbieten.
Dabei blickt die Otto Group auf ein außerordentlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2010/11 zurück. „Vor einem Jahr haben wir die ehrgeizige Prognose eines zweistelligen Umsatzplus gewagt – und sie gehalten“, betont Hans-Otto Schrader, Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Der Umsatz wuchs um 12,6 Prozent von 10,132 auf 11,404 Milliarden Euro. Dabei legten alle drei Segmente zweistellig zu. Auch das operative Ergebnis entwickelte sich sehr positiv. So konnte das operative Ergebnis EBITDA von 327 auf 667 Millionen Euro verdoppelt werden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wuchs von 46 Millionen Euro auf 378 Millionen Euro. Zugleich stieg die Zahl der Mitarbeiter um mehr als 1.700 auf 49.721 weltweit.
E-Commerce stärkster Vertriebskanal
Im zurückliegenden Geschäftsjahr war der Online-Handel der größte Umsatztreiber. Die Online-Umsätze stiegen weltweit um gut 25 Prozent von 3,8 auf 4,8 Milliarden Euro. Damit erzielte die Otto Group mit ihren rund 50 Online-Plattformen rund 50 Prozent der gruppenweiten Einzelhandelserlöse. In Deutschland legten die E-Commerce-Umsätze sogar um 27,2 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu. „Angesichts eines Marktwachstums von 18 Prozent konnten wir unseren Marktanteil im boomenden E-Commerce weiter ausbauen“, sagt Schrader. Einzelne Unternehmen der Gruppe erzielen inzwischen rund zwei Drittel ihrer Umsätze im E-Commerce, etwa die Einzelgesellschaft OTTO mit knapp 70 Prozent und Baur mit 64 Prozent. Mit dem Erfolg behauptete die Otto Group ihre Position als weltweit größter Online-Händler für Fashion und Lifestyle mit dem Endverbraucher und ist insgesamt die Nummer 2 hinter Amazon; in Deutschland hat die Otto Group ihre Spitzenposition als größter E-Commerce-Player (BtoC) gefestigt.
Das Wachstum wurde von allen drei Geschäftssegmenten getragen. Das Segment Multichannel-Einzelhandel übersprang die 10-Milliarden-Euro-Marke. Das Plus betrug 12,1 Prozent von 8,922 auf 10,004 Milliarden Euro. Den größten Sprung verzeichnete das Segment Finanzdienstleistungen mit einem Umsatzanstieg von 17,3 Prozent auf 455 (Vorjahr: 388) Millionen Euro. Das Segment wird maßgeblich durch die EOS Gruppe bestimmt, die ihren Umsatz um 20,7 Prozent auf rund 341 Millionen Euro steigerte. Sehr erfolgreich entwickelte sich auch das Geschäftssegment Service, das im Wesentlichen von der Hermes-Gruppe geprägt wird. Hier stiegen die Außenumsätze um 14,9 Prozent von 822 auf 945 Millionen Euro. Die unter der Marke Hermes operierenden Gesellschaften steigerten ihren Gesamtumsatz – also ihre Erlöse aus Dienstleistungen für Unternehmen der Otto Group und für Dritte – um 18 Prozent auf 1,724 Milliarden Euro.
Markante Umsatzhürden übersprungen
Überproportional entwickelte sich das Geschäft in Deutschland. Die Umsatzerlöse in den drei Segmenten stiegen um rund 13,6 Prozent von 5,785 auf 6,571 Milliarden Euro. Mehrere Unternehmen der Otto Group übersprangen im vergangenen Geschäftsjahr markante Hürden. Die Kerngesellschaft OTTO erzielte mehr als 2 Milliarden Euro Umsatz. OTTO steigerte die Erlöse um 13,4 Prozent auf 2,114 Milliarden Euro. Bonprix überwand die Milliarden-Marke und wuchs um 16,9 Prozent auf 1,136 Milliarden Euro. Auch die Schwab-Gruppe sprang in den zehnstelligen Bereich dank eines Wachstums von knapp 11 Prozent auf 1,093 Milliarden Euro. Dazu haben maßgeblich die Witt-Gruppe und MyToys.de beigetragen, die in der Schwab-Gruppe konsolidiert werden. Ein enormes Wachstum von rund 22,3 Prozent legte die Baur-Gruppe hin: Sie steigerte die Erlöse von 468 auf 573 Millionen Euro. Auch die Heine-Gruppe entwickelte sich mit einem Wachstum von 5,3 Prozent auf 666 Millionen Euro positiv. Ein großer Sprung gelang dem Sport-Spezialisten SportScheck: Die Münchner schraubten ihre Erlöse um 18,3 Prozent auf 327 Millionen Euro hoch.
Boom bei Otto Group Russia
Auch international entwickelte sich das Geschäft der Otto Group erfolgreich. In Nordamerika wuchsen die Umsatzerlöse um rund 17,8 Prozent von 979 Millionen Euro auf 1,153 Milliarden Euro. Diese hervorragende Entwicklung ist auf den guten Geschäftsverlauf der Einrichtungs- und Lifestyle-Gruppe Crate and Barrel zurückzuführen. Der Umsatz in Europa (ohne Deutschland) stieg um 9,5 Prozent von 3,115 Milliarden Euro auf 3,410 Milliarden Euro. Der 3 Suisses Gruppe ist wieder ein Umsatzwachstum gelungen. Während im davorliegenden Geschäftsjahr der Handelsumsatz rückläufig war, steigerte die Gruppe ihre Erlöse um rund 3 Prozent auf 2,097 Milliarden Euro. In Großbritannien wurde die Freemans Grattan Holdings weiter erfolgreich umstrukturiert, was mit einem planmäßigen Umsatzrückgang von rund 25 Prozent auf rund 199 Millionen Euro einherging. In Asien entwickelte sich das Geschäft positiv; die Umsätze kletterten um etwa 6,6 Prozent von rund 252 auf über 269 Millionen Euro. Ausgesprochen stark entwickelte sich das Geschäft der Otto Group in Russland. Der Marktführer Otto Group Russia verdoppelte beinahe die Erlöse von 183 auf rund 349 Millionen Euro. Hierzu trug auch das Geschäft von Quelle Russland bei, das erstmals konsolidiert wurde. Aber auch ohne diesen Effekt legte das Wachstum in Russland deutlich zweistellig zu.
Expansion nach Brasilien
Wie vor fünf Jahren in Russland, so geht die Otto Group in diesem Herbst den Markteintritt in dem BRIC-Land Brasilien an. Die Unternehmensgruppe verfolgt dabei die Strategie, in allen drei Segmenten – E-Commerce, Service und Finanzdienstleistungen – gleichzeitig Aktivitäten zu starten. Der Konzern wird mit einer E-Commerce-Plattform für Mode und Lifestyle beginnen und befindet sich dazu in finalen Verhandlungen für eine Beteiligung an einem etablierten E-Commerce-Player in Brasilien. Bei diesem Joint Venture wird die Otto Group der Mehrheitseigner sein. Im Service wird das Hermes-Unternehmen NexTec Dienstleistungen im Bereich Webenabling anbieten. Und die EOS Gruppe hat 60 Prozent von Hoepers Recuperadora de Crédito S.A. übernommen, einem der Top 3 der Inkassoanbieter Brasiliens. Ziel ist es, in Brasilien eine ähnlich erfolgreiche Entwicklung wie in Russland zu erzielen und in fünf Jahren rund 500 Millionen US-Dollar bei einer attraktiven Umsatzrendite zu erwirtschaften. Grundlage dafür ist die sehr erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den vergangenen Jahren. Der Einzelhandel ist seit 2003 mit einem Durchschnittswert von 9 Prozent pro Jahr gewachsen. Zudem nimmt die Internetnutzung stark zu – rund 70 Millionen Brasilianer sind bereits online und die Zahl der User wächst jährlich um rund 20 Prozent.
Neustart von quelle.de
Aber auch in Deutschland geht die Otto Group ein spannendes Vorhaben an. In den kommenden Wochen wird die Marke Quelle in Deutschland neu starten. Unter www.quelle.de wird ein Internet-Marktplatz eröffnet, auf dem eine Vielzahl von renommierten Händlern und Markenherstellern Technik- und Living-Sortimente anbieten. Da Technik und Living klassische Quelle-Sortimente sind, wird das Potenzial der Marke in dem heiß umkämpften Markt optimal genutzt. Auf dem Marktplatz wird ausschließlich Neuware angeboten – auch von der beliebten Quelle-Marke Privileg. Die hohe Markenvielfalt und Beratungskompetenz von quelle.de wird ergänzt durch eine zentrale Vermarktung und direkte Kommunikation mit dem Kunden.
Ausblick
Für das Geschäftsjahr 2011/12 setzt die Otto Group auf ein robustes Wachstum und geht von einem Anstieg des Umsatzes und des Ertrags im einstelligen Prozentbereich aus. Die Umsatzentwicklung im ersten Quartal ist in allen Segmenten positiv. Die Konsumstimmung könnte jedoch durch diverse Ereignisse in vielen Ländern gedämpft werden, in Deutschland etwa durch die Diskussion um die Zukunft des Euros und Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln. Die Otto Group setzt indes weiter auf den stark wachsenden E-Commerce und nimmt Möglichkeiten für eine Expansion in neue Märkte wahr.
Geschäftsbericht als App
Alle Bilanzzahlen und Reportagen über Mitarbeiter in der Otto Group enthält der jetzt erschienene Geschäftsbericht. Dabei ist der Geschäftsbericht mobil und multimedial erlebbar: Erstmals stehen die Inhalte auch als App für Webpads zur Verfügung, sie sind auch in Kürze für Smartphones erhältlich. Die Geschäftsberichts-App ist ebenfalls auf der frisch überarbeiteten Unternehmensseite www.ottogroup.com zu sehen.
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1949 in Deutschland gegründet, ist die Otto Group heute eine weltweit agierende Handels- und Dienstleistungsgruppe mit rund 54.200 Mitarbeitern (Stand Februar 2012). Die Gruppe ist mit 123 wesentlichen Unternehmen in mehr als 20 Ländern Europas, Nordamerikas und Asiens präsent. Ihre Geschäftstätigkeit erstreckt sich auf die drei Segmente Multichannel-Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Service. Im Geschäftsjahr 2011/12 (29. Februar) erwirtschaftete die Otto Group nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 11,6 Mrd. Euro. Sie ist weltweit größter Online-Händler für Fashion und Lifestyle und weltweit zweitgrößter Online-Händler mit dem Endverbraucher (BtoC). Kataloggeschäft, E-Commerce und der stationäre Einzelhandel bilden die drei Säulen des Multichannel-Einzelhandels der Otto Group. Weltweite Konzernaktivitäten und eine Vielzahl von strategischen Partnerschaften und Joint Ventures bieten Otto ausgezeichnete Voraussetzungen für Know-how-Transfer und die Nutzung von Synergiepotenzialen. Ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit der Konzernunternehmen garantiert zugleich Flexibilität und Kundennähe sowie eine optimale Zielgruppenansprache in den jeweiligen Ländern.